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BörsenBlick Markteinblicke
Knappes Auftragsplus für die deutsche Industrie, da Energieschock die Aussichten trübt

Auf einen Blick
- •Der Auftragseingang im deutschen verarbeitenden Gewerbe stieg im Februar um 0,9 % (saison- und preisbereinigt), schwächer als von Ökonomen erwartet.
- •Ohne volatile Großaufträge erhöhten sich die zugrunde liegenden Aufträge um 3,5 %.
- •Explodierende Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Konflikts führten zum größten monatlichen Anstieg der Inputkosten, der in der Einkaufsmanager-Umfrage verzeichnet wurde.
- •Inlandsaufträge sanken, während Auslandsaufträge zunahmen; die Nachfrage aus dem Euroraum lieferte Unterstützung.
- •Die Automobil- und Textilindustrie trugen positive Impulse bei, doch der gesamtwirtschaftliche industrielle Aufschwung bleibt fragil.
- •Ökonomen warnen, dass höhere Energiekosten und Unsicherheit die Auftragstätigkeit in den kommenden Monaten voraussichtlich dämpfen werden, sofern sich die geopolitischen Spannungen nicht entspannen.
Marktanalyse
Die deutsche Industrie verzeichnete im Februar vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts einen moderaten Anstieg der Aufträge, doch das Aufwärtspotenzial wirkt fragil. Offizielle Daten zeigen nur eine knappe Erholung beim Auftragseingang nach einem starken Einbruch im Januar, und Ökonomen warnen, dass steigende Energiekosten und erneute Unsicherheit die Nachfrage und die Geschäftstätigkeit in den kommenden Monaten voraussichtlich belasten werden.
Die aktuelle Einkaufsmanager-Umfrage für März spiegelte bereits die unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts wider: explodierende Öl- und Gaspreise führten zum größten monatlichen Sprung bei den Inputkosten seit Beginn der Umfrage, und erste Berichte über Störungen in den Lieferketten traten auf. Sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nachlassen, bleibt die Hoffnung, dass sich die Importe von Öl und Gas sowie Spezialchemikalien, Edelgasen und hochtechnologischen Zwischenprodukten, die für wichtige deutsche Wertschöpfungsketten entscheidend sind, normalisieren könnten. Für den Moment hat der Schock an den Energiemärkten jedoch eindeutig die kurzfristigen Kalkulationen der Unternehmen verändert.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) stieg der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe im Februar nach saisonaler, kalender- und preisbereinigter Betrachtung um 0,9 %. Dieser Zuwachs fiel nach dem 11,1%igen Einbruch im Januar kleiner aus, als viele Ökonomen erwartet hatten; die Konsensprognosen hatten auf rund 2,0 % Erholung hingewiesen. Ohne volatile Großaufträge meldet Destatis einen stärkeren zugrunde liegenden Anstieg von 3,5 %.
Kommentatoren zeigten sich zurückhaltend in Bezug auf die Aussagekraft des Anstiegs. Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank bezeichnete ihn als eine nette Steigerung, die angesichts des Iran-Kriegs wenig wert sei, und argumentierte, dass die erhöhte Unsicherheit die Bereitschaft der Unternehmen, im März Aufträge zu vergeben, wahrscheinlich bereits gedämpft habe. Krüger warnte auch, dass der Energiepreisschock neue Preisberechnungen erforderlich macht und dass höhere Rohölkosten in diesem Jahr einen Teil der positiven fiskalischen Impulse aufzehren werden, von denen die Politik hoffte, sie würden das Wachstum stützen.
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, nimmt eine bedingtere Sicht ein: Während er erwartet, dass die hohen Energiepreise die Weltwirtschaft in der ersten Jahreshälfte belasten werden, könnte eine friedliche Lösung zwischen den USA und dem Iran die realwirtschaftlichen Schäden begrenzen und es der globalen Wachstumsdynamik ermöglichen, sich im weiteren Jahresverlauf wieder an ihren früheren Pfad anzugleichen.
Die Inlandsnachfrage bleibt unabhängig vom Konflikt schwach. Der DIHK-Ökonom Jupp Zenzen hob einen schwachen Binnenmarkt und strukturelle Probleme am Standort Deutschlands als anhaltende Belastungen hervor. Die Sektorenaufteilung von Destatis zeigte, dass die Inlandsaufträge um 4,4 % sanken, während die Auslandsaufträge um 4,7 % stiegen, wobei Letzteres hauptsächlich durch eine stärkere Nachfrage aus Handelspartnern im Euroraum getrieben wurde. Nach Angaben von Destatis lieferte die Automobilindustrie einen bemerkenswerten positiven Impuls mit einem Auftragsanstieg von 3,8 %, und die Textilindustrie verzeichnete einen ausgeprägten Sprung von 45,2 %, wobei diese zuletzt genannte Zahl jedoch niedrige Basiseffekte oder volatile Segmente widerspiegeln könnte.
Ausblick: Der moderate Anstieg im Februar signalisiert noch keine anhaltende Erholung. Steigende Energiekosten und politische Unsicherheit erschweren die Planungen und Preisgestaltungen der Unternehmen, und ohne eine stärkere Inlandsnachfrage dürfte die erhoffte industrielle Aufschwungphase verzögert werden. Eine Entspannung der geopolitischen Spannungen und eine Normalisierung der Energie- und Zwischenproduktströme wären der klarste Weg zurück zu stärkerem Schwung, doch vorerst bleibt das Bild gemischt und fragil.
